Licht aus, Spot an!
Die große Auswahl an Veranstaltungsorten in Berlin mitsamt ihren vielfältigen Programmen kann schnell überwältigend wirken. Um dir die Orientierung zu erleichtern, stellen wir hier für die jeweils aktuelle Spielzeit einen Kompass zur Verfügung, der dir aus queerer Perspektive einen Leitfaden durch die Kulturwelt der Hauptstadt an die Hand gibt. Zur besseren Übersicht sind die einzelnen Highlights jeweils in den Schwerpunkten "Big Stages" für die Staatstheater, den "Small Stages" der freien Bühnen sowie den Kategorien "Musik & Tanz" und "Kleinkunst & Kabarett" gebündelt. Wir wünschen dir viel Freude auf deiner Entdeckungsreise durch die Bretter an der Spree, die die Welt bedeuten!
- Big Stages -
Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz
Mit der Eröffnung der Spielzeit 2026/2027 hat Matthias Lilienthal zugleich seine Arbeit als neuer Intendant der Volksbühne eingeläutet, mit der er die Nachfolge des schwulen Regisseurs René Pollesch antritt, der im Frühjahr 2024 unerwartet verstorben ist. Und gleich zum Auftakt setzte Lilienthal mit dem großen feministischen Showspektakel "House Wash" von Florentina Holzinger, bei der ein gigantischer, aufgeblasener weiblicher Torso aus Kunststoff auf die Fassade der Bühne urinierte, ein deutliches queeres Markenzeichen, das stellvertretend für seine Intendanz stehen dürfte. So feiert im Dezember unter anderem die Neuinszenierung von Arthur Schnitzlers 100 Jahre altem Roman "Fräulein Else" Premiere, in der das ungebrochen aktuelle Thema vom Herrschaftsgefälle zwischen Mann und Frau beleuchtet wird. Neben Theateraufführungen stehen in der Volksbühne auch regelmäßig Konzerte und Lesungen mit dem Who is Who von internationalen queeren Schauspieler*innen und Musiker*innen auf dem Programm.
Deutsches Theater
Das Deutsche Theater zählt zu den wichtigsten Sprechtheatern Berlins, dessen Fokus - nomen est omen - auf deutschsprachigen Autor*innen liegt. Dazu zählten in der Vergangenheit renommierte Namen wie Elfride Jelinek, René Pollesch oder der verstorbene Berliner Kult-Regisseur Rosa von Praunheim. Daneben finden aber auch zahlreiche Werke von Größen aus anderen Ländern Eingang ins Programm, so wie weiterhin die durch und durch heitere Adaption "Bunbury. Ernst sein is everything!" nach Oscar Wildes Klassiker oder die Wiederaufnahme von Kae Tempests Gesellschaftskritik "Let Them Eat Chaos". Neu in dieser Spielzeit ist die freie Interpretation "The Cold Reminder" von Christopher Isherwoods Roman "A Single Man" aus der Feder von Sam Max.
Berliner Ensemble
Gegründet von Bertolt Brecht ist das Berliner Ensemble eine Institution in der deutschen Theaterlandschaft und gehört zugleich zu einer der historisch schönsten Bühnen der Stadt. Zwar hat das Programm heutzutage meist nur noch wenig mit Brechts ursprünglicher Auffassung vom epischen Theater gemein, aber der Beliebtheit des Ensembles tut das keinen Abbruch. Queere Highlights in dieser Spielzeit sind zweifellos die Neuauflage von Shakespeares All-Time-Favorite "Hamlet" mit dem Schauspieler Pierre Emö in der Rolle der Ophelia sowie ab Februar das Stück "Man to Man" von Manfred Karge mit der unnachahmlichen Tilda Swinton in der Hauptrolle!
Schaubühne
Die Schaubühne, die am äußeren Ende des Kurfürstendamms gelegen ist, sorgt immer wieder mit gewagten und progressiven Inszenierungen für Furore. In diesen Ansatz passt auch wunderbar die Bühnenadaption vom bewusst grenzüberschreitenden Bericht "Im Herzen der Gewalt" des schwulen französischen Autors Édouard Louis. Weniger provokant, aber dafür äußerst streitbar ist der regelmäßige Diskussionsabend "Streitraum" mit der bekannten lesbischen Autorin Carolin Emcke, der einmal pro Monat unter wechselnden Mottos stattfindet.
Maxim Gorki Theater
Postmigrantisch, feministisch, queer – das kleinste der Berliner Staatstheater ist auch das radikalste in seinen künstlerischen und politischen Positionen. Queere Autor*innnen und Regisseur*innen wie Sasha Marianna Salzmann, Falk Richter oder Ersan Mondtag sind mit dem Gorki eng verbunden. Unbedingt sehenswert in dieser Saison: "Das Hörrohr" nach dem bekannten Roman von Leonora Carrington, das von der lesbischen Ausnahme-Regisseurin Ulrike Ottinger für die Bühne bearbeitet wurde.
- Small Stages -
ACUD-Theater
Das kleine ACUD-Theater versprüht noch den originalen urbanen Charme, der Berlin lange Zeit ausgezeichnet hat. Regelmäßig finden hier in Laufweite des Weinbergparks in Mitte lokale und internationale queere Stimmen einen Raum, um ihre Perspektiven auf eine Bühne zu bringen. Da diese Inszenierungen - so aktuell die "Gay Dramedy" von Jared Lorenzo "3 • 6 • 9" oder eine Tragikomödie der Drag Queen Grasa Guevara - wie alle Stücke im ACUD meist jedoch nur für eine kurze Zeit auf dem Spielplan stehen, ist ein jeweils aktueller Blick auf den Spielplan des Theaters unvermeidlich. Ein Aufwand, der sich jedoch für alle lohnt, die einen Blick in die freie Theaterszene abseits der großen Bühnen erhaschen wollen!
Theater im Delphi
Das einstige Revue-Theater in Weißensee hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem echten Hotspot für queere Kunst und Künstler*innen gemausert. Nahezu jeden Monat finden sich hier auf dem Programm Veranstaltungen, die das Herz von eher traditionellen bis hin zu avantgardistischen Fans von queerer Kultur höher schlagen lassen. Seien es Events wie das neue experimentelle "Queer Performance Festival", das "jährliche Wintersonnenwende-Konzert" von der Indie-Ikone Patrick Wolf oder doch eher klassische Abende wie die "strahlende" Ballettshow "Cinderella" mit "leuchtenden Kostümen"!
Berliner Ringtheater
Das Theater, das seit 2024 auf dem Gelände der Neuen Zukunft in Kreuzberg Zuhause ist, beschreibt sich selbst als "ein Produktionsort für Gegenwartsgeschichten und performative Darstellungsformen, die gesellschaftskritische Themen verhandeln". Vor allem Newcomer und Quereinsteiger*innen in der Theaterwelt sollen dabei auch zu Wort kommen dürfen. Klar, dass dabei unter anderem auch explizit queerfeministische - wie aktuell in der Produktion "Egg War Berlin" - oder dekoloniale Perspektiven in jeder Spielzeit nicht fehlen dürfen!
- Musik & Tanz -
Komische Oper
Unter den drei Hauptstadt-Opernhäusern ist die Komische Oper die kleinste – und die am wenigsten elitäre: In ihrem prachtvollen neobarocken Innenraum werden neben ernsten Opernklassikern auch Operetten und zeitgenössische Musiktheaterstücke gezeigt, die ein breites Publikum anlocken. Dank seines Intendanten, dem schwulen australischen Regisseur Barrie Kosky, ist die Komische Oper in der letzten Dekade zu einer queeren Kultur-Hochburg geworden, in der selbst im vermeintlich klassischstem Repertoire ein Hauch von Gender Bending und Camp-Ästhetik zu überraschen vermag. In der aktuellen Spielzeit ist in dieser Hinsicht vor allem die Premiere einer "der meistunterschätzten Opern überhaupt", dem Opus „Król Roger" von Karol Szymanowski, hervorzuheben und bereits jetzt wird mit Spannung die nächste Saisoneröffnung des Hauses erwartet, die inzwischen traditionell mit einer Produktion in einem Hangar des Flughafen Tempelhofs eingeläutet wird: denn diese Ehre kommt 2027 der umtriebigen und inzwischen allseits bekannten Florentina Holzinger zu!
Sophiensæle
Die Sophiensæle sind eine Brutstätte zeitgenössischer Performance- und Tanzströmungen. Viele inzwischen teils international bekannte queer-feministische Künstler*innen wie Nora Chipaumire, das Kollektiv Henrike Iglesias oder Rita Mazza sind dort bereits aufgetreten. Inzwischen ist in dem alten Backstein-Gebäude, das im Hinterhof einer Seitenstraße in Mitte gelegen ist, unter anderem auch die Berliner Drag Olympia Bukkakis regelmäßig mit ihrer experimentellen Talkshow-Reihe "Queer and Present Dangers" zu Gast. Ebenso nicht verpassen sollte man das hauseigene Festival „Tanztage“, das jedes Jahr im Januar stattfindet.
Staatsballett Berlin
Die Kompanie vom Staatsballett Berlin gehört zu renommiertesten weltweit und zahlreiche der Tänzer*innen sind mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Davon abgesehen, dass in dieser Hinsicht natürlich jede Aufführung der Kompanie ein künstlerisches Erlebnis ist, sticht in dieser Saison besonders die Neuinszenierung von Tschaikowskys "Der Nussknacker" hervor. Der Choreograph und Intendant des Staatsballetts Christian Spuck, dessen Vertrag vor kurzem erst verlängert wurde, vermengt hier das berühmte Werk des schwulen Komponisten zugleich mit E. T. A. Hoffmanns Erzählung "Nussknacker und Mäusekönig". Man darf gespannt sein.
Theater des Westens
Es versteht sich von selbst, dass in dieser Aufzählung natürlich nicht das Berlin-Musical "Wir sind am Leben" aus der Feder von ehemaligen Rosenstolz-Sänger Peter Plate fehlen darf! Die Geschichte der Geschwister Nina und Mario, die 1990 nach Berlin ziehen, hat sich schließlich in kurzer zu einem Publikumsliebling entwickelt.
- Kleinkunst & Kabarett -
BKA-Theater
Versteckt im Dachgeschoss eines Kreuzberger Altbaus ist die „Berliner Kabarett Anstalt“, die von ihrem Stammpublikum kurz und liebevoll BKA genannt wird, mit der Berliner LGBTQI*-Community seit ihrer Gründung in den 1980er-Jahren eng verbunden. Viele lokale Größen stehen hier (teils seit Jahrzehnten) regelmäßig auf der kleinen Bühne. Dazu zählen allen voran der berühmte Travestie-Komiker Ades Zabel, der alle Jahre wieder in neuen Variation zu Weihnachten mit seinem Schwestern-Gespann "Wenn Ediths Glocken läuten" lässt. Aber auch die Gemeinschaft der "Golden Gmilfs", die Urberlinerische Ausgabe der alten US-Serie Golden Girls, oder die lesbische Kabarettistin Sigrid Grajek trifft man hier wieder, derzeit oder erneut auf der Bühne an.
Bar jeder Vernunft
Die Bar jeder Vernunft ist ein Schmuckkästchen der Kleinkunst: In ihrem glänzenden historischen Spiegelzelt stehen regelmäßig große Namen der Chanson-, Kabarett- und Comedy-Szene Deutschlands in einer intimen Atmosphäre auf der Bühne - kein Wunder, dass die Bar, zu deren Familie die Geschwister Pfister, Tim Fischer, Maren Kroymann, Sven Ratzke und viele mehr gehören, daher seit jeher eine der Lieblingsadressen des Berliner LGBTQI*-Theaterpublikums ist. Und auch wenn es sich daher lohnen würde, fast alle Programmpunkte hervorzuheben, so stellt in dieser Spielzeit unter anderem die zweifellos unvernünftige Version von Praunheims Kultfilm "Die Bettwurst" ein ganz besonderes Highlight dar!
Weitere Informationen
Apropos Bühne und Theater: Place2be.Berlin-Botschafter Tarik Tesfu zeigt dir in diesem Video seine kulturellen Lieblingsorte in Berlin-Mitte!
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Interessante queere Locations überall in Berlin zeigt dir der Place2be.Berlin-Stadtplan.
Eine komplette Übersicht über alle Veranstaltungen für jeden einzelnen Tag findest du auf den Terminseiten der SIEGESSÄULE, Berlins großem queeren Stadtmagazin.
