Queere Badestellen in Berlin: Ab ins kühle Nasse

Emmanuele Contini

Berlin liegt am Wasser. Klar, die Spree als Berlins größter Fluss ist allgemein bekannt. Doch daneben garantieren auch die kleinere Panke und zahlreiche Kanäle überall in der Stadt ein frisches Lüftchen. An vielen Seen und in den zahlreichen Freibädern lässt sich der Sommer ideal genießen. Im Laufe der Zeit haben sich einige von ihnen bei Lesben, Schwulen und in der queeren Community als beliebte Treffpunkt etabliert. Also, pack die Badehose ein, nimm ein Strandtuch mit und etwas Sonnencreme und schließe am Strand ganz entspannt neue Freundschaften!

Soeren Schulz/Shutterstock
Für viele schwule Männer der Treffpunkt im Sommer: Das Strandbad Wannsee

Strandbad Wannsee: Der Klassiker

Schon vor über 50 Jahren drehte Rosa von Praunheim am Strandbad Wannsee Szenen für seinen Filmklassiker „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Mit dem 1.375 Meter langen und 80 Meter breiten Sandstrand prahlt das Bad am Ufer des Wannsees, der eigentlich eine Bucht des Flusses Havel ist, das größte Binnenseebad Europas zu sein. Genug Platz also zum Rumaalen, Sonnenbaden und sich präsentieren. Der queere Bereich befindet sich ganz hinten rechts am Ende des Strandes, wo auch textilfreies Baden erlaubt ist. Dort angekommen, lockt von vorne das kühle, aber seichte Nass der Havel, während hinten ein Stand kühles Bier, Fassbrause, Curry-Wurst und Pommes verkauft. Die sanitären Anlagen inklusive Duschen bieten übrigens auch allen Architekturbegeisterten etwas fürs Auge: Das denkmalgeschützte Bad wurde in den späten 1920er Jahren im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut. Um einen entspannten Nachmittag am Strandbad verbringen zu können ist nur bei der Anreise ein bisschen Konzentration geboten. Zwar ist das Wannseebad von der Innenstadt aus mit der S-Bahn-Linie S1 in nur 20 bis 30 Minuten zu erreichen. Verwirrenderweise ist die nächste S-Bahn-Station aber nicht Wannsee, sondern schon eine Station eher, nämlich Nikolassee. Von der S-Bahn-Station aus geht es dann noch gut zehn Minuten zu Fuß durch den schattigen Grunewald – und schon ist man drin im feucht-fröhlichem Vergnügen.

Strandbad Wannsee
Wannseebadweg 25, 14129 Berlin-Nikolassee
S Nikolassee
https://www.berlinerbaeder.de/

Teufelssee: Chillen mitten in der Natur

An diesem Naturjuwel ist ein bisschen alternatives Hippie-Flair zu spüren: Am Ufer des Teufelssees geben sich alle genauso, wie sie sich gerade fühlen. Der See selbst ist klein, aber fein. Das Ostufer steht unter Naturschutz, am Westufer befindet sich ein Hang zum nackten Sonnenbaden. Allerdings nimmt am Teufelssee seit einiger Zeit die Textilquote immer weiter zu. Sei’s drum, denn seit einigen Jahren ist der Teufelssee auch unter Berliner queeren Expats zu einem angesagten Ausflugsziel geworden. So kann man sich dort auf ein geradezu babylonisches Sprachgeschnatter freuen. Ebenso auf die ein oder andere mitgebrachte Partymucke mit spontan vorgetragener Tanzeinlage – je später der Nachmittag desto fröhlicher geht’s zu. Anders als am Wannsee braucht man für ein Bad am Teufelssee keinen Eintritt zu bezahlen oder irgendwelche Öffnungszeiten zu beachten. Der See ist also ideal für lange, laue Sommerabende. Nur die hin und wieder aus dem Gebüsch auftauchenden Wildschweine sollte man im Auge behalten, schließlich liegt der Teufelssee mitten im Grunewald. Zu erreichen ist der See von den S-Bahn-Stationen Grunewald oder Heerstraße, allerdings erst nach einem Spaziergang von 30 Minuten. Schneller geht es mit einem Fahrrad.

Teufelssee
Am Ende der Teufelsseechaussee, Berlin-Grunewald
S Grunewald oder S Heerstraße

Strandbad Müggelsee: Die Perle des Ostens

Was der Wannsee für den Westen Berlins ist, ist der Müggelsee für den Osten der Stadt. Und ebenso wie der Wannsee ist auch der Müggelsee schon seit langer Zeit ein beliebter Treffpunkt der queeren Community. Vorteil Müggelsee: Das Strandbad kann ohne Eintritt besucht werden. Auch am Strandbad Müggelsee befindet sich das queere Gebiet am Ende des Geländes, in der Nähe des FKK-Bereichs. Dort lässt sich dank der Lage Richtung Westen dann bis spät in den Abend die Sonne genießen. Beeindruckend ist auch die dem Strandbad gegenüberliegende Seeseite. Die Gäste blicken hier auf die Müggelberge, eine für Berliner Verhältnisse außerordentlich hügelige Kulisse. Der See ist relativ flach. Um mit kräftigen Zügen schwimmen zu können, muss man erst tief in den See hineinstöckeln. Am besten zu erreichen ist der See, gerne als die Perle des Ostens bezeichnet, mit der Straßenbahnlinie 61. Die hält direkt vor dem Eingang.

Strandbad Müggelsee
Fürstenwalder Damm 838
Tram 61, Haltestelle Strandbad Müggelsee
https://www.berlin.de/

Emmanuele Contini
Fun im Freibad: Das Prinzenbad mitten in Kreuzberg ist bei der queeren Community beliebt.

Das Prinzenbad: Zentral und urban

Mitten in Kreuzberg liegt der zentralste queere Treffpunkt für feucht-fröhlichen Sommerspaß: Das Prinzenbad der Berliner Bäderbetriebe, das diese offiziell als „Sommerbad Kreuzberg“ bezeichnen. Im Sommer zieht es viele Stammgäste aus den umliegenden Stadtbezirken an. Viele von ihnen kommen vor allem zur sportlichen Betätigung. Vorne an den Rändern der drei Becken geht es eher quirlig zu, sehen und gesehen werden ist hier angesagt. Wer es ruhiger mag, kommt auf der Liegewiese im hinteren Bereich auf seine Kosten. Auch ein abgeschirmter FKK-Bereich lockt. Wegen seiner urbanen Qualitäten haben die SIEGESSÄULE und L-Mag in Kooperation mit den Berliner Bäderbetrieben das Prinzenbad zum Ort des „Queer Summer Splash“ erkoren, einer bunten Sause, die aktuell nur aufgrund der Corona-Pandemie pausiert. Foodtrucks, Musik-Bühnen und ein von den Berliner queren Sportvereinen gestaltetes Bewegungs-Programm ziehen die queere Community dann ins Prinzenbad. Der Event hat zugleich dafür gesorgt, dass das Personal hier für die Bedürfnisse queerer Gäste bestens sensibilisiert ist - durchaus wichtig an einem Ort, wo es zu Stoßzeiten voll werden und auch einmal hoch hergehen kann. Alle, die ernsthaft schwimmen wollen, sollten an sonnigen Tagen möglichst früh am Vormittag oder am späten Nachmittag kommen. Von der U-Bahn-Station Prinzenstraße fällt man praktisch direkt ins Bad.

Sommerbad Kreuzberg
Prinzenstraße 113-119
U Prinzenstraße
https://www.berlinerbaeder.de/

Weitere Informationen

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Text: Carsten Bauhaus

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