Die besten queeren Ausstellungen in Berlin diesen Herbst!

In zahlreichen Museen und Galerien kannst du in Berlin klassische und zeitgenössische Kunst kennenlernen – oftmals sogar mit queerem Fokus. Der Kulturjournalist Julian Beyer hat zehn tolle Ausstellungen zusammengetragen, die dich im Herbst 2022 begeistern werden!

Arbeiten, die sich auch mit queeren Subkulturen auseinandersetzen, zeigt die "Neue Nationalgalerie" mit einer Monica Bonvicini-Schau.

I Do You

Ist das wirklich ein Sling, der hier unter dem Titel „Never Again“ in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist? Das Objekt ist Teil der Ausstellung „I Do You“ der in Italien geborenen Künstlerin Monica Bonvicini. Hier präsentiert sie architektonische Installationen, skulpturale Objekte, performative und klangliche Arbeiten, sowie bekannte Werke aus ihrem vielseitigem, Dekaden umspannenden Katalog. Bonvicini widmet sich in ihrer Kunst der Kritik von Institutionen und zieht dabei Parallelen zu feministischen und queeren Subkulturen. Schon seit den 1990ern stellt sie auf Ausstellungen weltweit aus und gewann 1999 auf der „Biennale di Venezia“ den Goldenen Löwen.

Monica Bonvicini – I Do You
Vom 25.11.2022 bis 07.05.2023
In der Neuen Nationalgalerie, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin-Tiergarten
S+U Potsdamer Platz
Website der Neuen Nationalgalerie
Website der Ausstellung Monica Bonvicini – I Do You

Gleich drei Ausstellungen mit queerem Fokus zeigt "C/O Berlin" in diesem Herbst im Rahmen von "Queerness in Photography".

Queerness in Photography

Im Rahmen des Programms „Queerness in Photography“ zeigt das „C/O Berlin“ gleich drei komplementäre Ausstellungen, die sich mit der Darstellung der LGBTIQ*-Community im Bild beschäftigten. „Under Cover. A Secret History of Cross-Dressers“ zeigt eine über Jahrzehnte zusammengetragene Kollektion an Amateurfotografien des französischen Filmregisseurs Sébastien Lifshitz. Diese wurden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts geschossen und zeigen Menschen, die sich den gängigen Gender-Normen durch die Wahl ihrer Kleidung widersetzen. Die „Casa Susanna“ war in den 1950er und 1960er Jahren ein Safe Space für Cross-Dresser*innen und trans* Frauen in Hunter im amerikanischen Bundesstaat New York. Hier konnten die Besucher*innen frei ihre Identitäten entfalten, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit. Die Fotografien aus der Cindy Sherman-Kollektion zeigen den Zusammenhalt, die Offenheit und Unbeschwertheit derer, die in der „Casa Susanna“ lebten. „Orlando“ ist angelehnt an den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1992, in dem die queere Schauspielerin Tilda Swinton die gender-nonkonforme Hauptrolle spielt. Swinton kuratierte die Ausstellung selbst und zeigt Werke, die sich mit Identität, Geschlecht, Herkunft und Sexualität befassen. Unter anderem zeigt „Orlando“ die Arbeiten von Zackary Drucker, einer bekannten trans* Künstlerin und Aktivistin. Ergänzt wird das Ausstellungsprogramm des „C/O Berlin“ durch die Veranstaltungsreihe „Utopia/Dystopia“, zu der das Ticket ebenfalls Zutritt gewährt.

Queerness in Photography
Bis 18.01.2023
Im C/O Berlin, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin-Charlottenburg
S+U Zoologischer Garten
Website vom C/O Berlin
Website der Ausstellung Queerness in Photography

Die Ausstellung "Frauen in Bewegung" im "f3" zeigt die Arbeiten von neun Fotografinnen, die Frauenleben in Osteuropa dokumentieren.

Frauen in Bewegung

In Russland protestierte die Gruppe „Pussy Riot“ mit spektakulären Aktionen gegen die Mächtigen in Duma und Kreml. In der Ukraine sorgte „Femen“ auf ähnliche Weise für Aufmerksamkeit. Und auch in Polen und Belarus sind Frauen gegen patriarchale, konservative und sexistische Politiker aufgestanden. Die Ausstellung „Frauen in Bewegung“ zeigt die Arbeiten von neun Fotografinnen, die die gesellschaftspolitischen Veränderungen und eigene Erfahrungen in ihren Herkunftsländern im Osten Europas dokumentieren. Dabei wollen sie auch zeigen, wie die Frauen, die hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang aufgewachsen sind, leben und welches historische Erbe sie tragen.

Frauen in Bewegung – Osteuropa zwischen Tradition und Aktion
Bis 06.11.2022
Im f³ – freiraum für fotografie, Waldemarstraße 17, 10179 Berlin-Kreuzberg
U Moritzplatz
Website des f³ – freiraum für fotografie
Website der Ausstellung Frauen in Bewegung - Osteuropa zwischen Tradition und Aktion

In den Räumen des "Hauses am Waldsee" inszeniert Leila Hekmat ein absurdes Krankenhaus.

Female Remedy

Für ihre erste institutionelle Ausstellung hat die US-amerikanische Künstlerin Leila Hekmat in den Räumen des „Hauses am Waldsee“ ein absurdes Krankenhaus inszeniert. Leila Hekmat befasst sich auf kritische Art und Weise mit den gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen* und spielt dabei gekonnt mit Konventionen von Geschlecht, Gender und Sexualität. In ihren Arbeiten kombiniert sie Theater, Musical, Komödie, Bildende Kunst, Film und Performance und kreiert so einen einzigartigen Raum für Entdeckung. Denn Krankenhausbetten, Operationssäle und andere Behandlungsräume laden auch zu einer tiefergehenden Analyse des Krankseins ein.

Leila Hekmat – Female Remedy
Bis 08.01.2023
Im Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin-Zehlendorf
U Krumme Lanke
Website vom Haus am Waldsee
Website der Ausstellung Leila Hekmat – Female Remedy

Die Ausstellung "Queering the Crip, Cripping the Queer" im "Schwulen Museum" beleuchtet die intersektionale Schnittstelle von Queerness und Behinderung.

Queering the Crip, Cripping the Queer

Mit den Phänomen der Intersektionalität und Mehrfachdiskriminierung beschäftigt sich das „Schwule Museum“ in einer aktuellen Ausstellung. Denn sowohl queere Menschen als auch jene mit körperlichen oder geistigen Behinderungen werden in unserer Gesellschaft oftmals benachteiligt, ausgeschlossen und diskriminiert. „Queering the Crip, Cripping the Queer“ erforscht als erste internationale Ausstellung die historischen, kulturellen und politischen Intersektionen von Queerness und Behinderung. Die Schau vereint dazu die Arbeit von zwanzig zeitgenössischen Künstler*innen. Darüber hinaus werden Werke von Ikonen der queeren/behinderten Kunst, wie beispielsweise Audre Lorde, präsentiert. Kuratiert wurde die Ausstellung maßgeblich von queeren/behinderten Menschen und auch die Künstler*innen, deren Werke in den Räumen des „Schwulen Museums“ zu sehen sind, identifizieren sich größtenteils als queer und behindert.

Queering the Crip, Cripping the Queer
Bis 30.01.2023
Im Schwules Museum, Lützowstraße 73, 10785 Berlin-Tiergarten
U Kurfürstenstraße
Website vom Schwulen Museum
Website der Ausstellung Queering the Crip, Cripping the Queer

Detaillierte Malereien, die einfangen, was Berlin für die Malerin Elizabeth Ravn ausmacht, sind im Bungalow der Galerie "ChertLüdde" zu sehen.

Ledgers & Dwellers

Im Jahr 2019 öffnete die Galerie „ChertLüdde“ ihren Bungalow. Das Ziel: Aufstrebenden Künstler*innen einen Ort zu bieten, an dem sie ihre Werke präsentieren können. Im Herbst dieses Jahres wird diese Ehre der queeren Malerin Elizabeth Ravn zuteil. Ravn, die in Brooklyn aufgewachsen ist, lebt seit 2017 in Berlin und zeigt in „Ledgers & Dwellers“ das Leben von Fremden und Freund*innen, aber auch Pflanzen, Innenräume und urbane Landschaften, die für sie die deutsche Hauptstadt ausmachen. Dabei dokumentiert sie en passant auch den Wandel der Stadt. Ihre detailgetreuen Malereien laden dazu ein, sie aufs genauste unter die Lupe zu nehmen – und sich vielleicht sogar in ihnen zu verlieren.

Elizabeth Ravn – Ledgers & Dwellers
Bis 29.10.2022
Bungalow, Hauptstraße 18, 10827 Berlin-Schöneberg
S Julius-Leber-Brücke
Website von ChertLüdde
Website vom Bungalow
Website der Ausstellung Elizabeth Ravn – Ledgers & Dwellers

Die inspirierende Freundschaft und Zusammenarbeit von Tabea Blumenschein und Ulrike Ottinger zeigt die "Berlinische Galerie" in einer aktuellen Schau.

ZusammenSpiel

Tabea Blumenschein ist eine queere Ikone des ehemaligen West-Berlins. In den 1970er- und 1980er-Jahren spielte sie als Schauspielerin in Filmen von Rosa von Praunheim und Ades Zabel mit und hatte eine kleine Rolle in dem schwulen Kultfilm „Taxi zum Klo“ aus dem Jahr 1980. Mit ihrer damaligen Freundin Isabell Weiß war sie 1985 auf dem Cover des Stern-Magazins unter dem Titel „Frauen die Frauen lieben“ zu sehen. Blumenschein arbeitete regelmäßig mit der Regisseurin Ulrike Ottinger zusammen, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Blumenschein ließ jedoch nicht nur als Schauspielerin ihrer Kreativität freien Lauf. Sie fertigte über die Jahre zahlreiche Zeichnungen an, unter anderem von Personen aus Queer- und Subkulturen. Blumenschein verstarb 2020. Nun finden ihre Zeichnungen den Weg an die Öffentlichkeit durch die Ausstellung „ZusammenSpiel“ in der „Berlinischen Galerie“. Auch Ulrike Ottinger steuert dazu Fotografien bei, die unter anderem Blumenschein am Set ihrer Filme zeigen und die gemeinsame Freundschaft der beiden einfangen.

Tabea Blumenschein & Ulrike Ottinger – ZusammenSpiel
Bis 31.10.2022
In der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin-Kreuzberg
U Moritzplatz
Website der Berlinischen Galerie
Website der Ausstellung Tabea Blumenschein & Ulrike Ottinger - ZusammenSpiel

Faszinierende Darstellungen von Yoginis, weiblichen Verkörperungen der yoginischen Kraft, präsentiert das "Pergamonmuseum" in diesem Herbst.

Mystische Begegnungen

Eine Sonderpräsentation des „Museums für Islamische Kunst“ ist diesen Herbst im "Pergamonmuseum" zu sehen. Besucher*innen werden auf eine Reise in die Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert begleitet. „Mystische Begegnungen“ stellt die vielfältigen kulturellen Praktiken der Asket*innen auf dem indischen Subkontinent in der damaligen Zeit anhand von indischer Miniaturmalerei dar. Es finden sich in der Sammlung unter anderem Porträts von Yoginis (weibliche Verkörperungen der yoginischen Kraft) und Asketinnen aus dem 18. Jahrhundert. In den Darstellungen werden die Yoginis, die zum Teil als Göttinnen präsentiert werden, in ihrem spirituellen Streben, ihrer Macht und ihrem Einfluss als gleichberechtigt mit Männern dargestellt.

Mystische Begegnungen – Sufis, Könige und Yogini in der indischen Miniaturmalerei
Bis 04.12.2022
Im Pergamonmuseum, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin-Mitte
S Hackescher Markt
Website des Pergamonmuseum
Website der Ausstellung Mystische Begegnungen – Sufis, Könige und Yogini in der indischen Miniaturmalerei

Kleidung + Accessoires = Aussage. Die Bedeutung dieser Gleichung lässt sich in diesem Herbst im "Bröhan-Museum" erleben.

Jewellery & Garment

Wer sich ab und an gerne mal eine Mode-Zeitschrift wie die „Vogue“ anschaut, wird festgestellt haben, dass Accessoires für einen Fashion Spread essenziell sind. Sie können ein Kleidungsstück in eine nicht erwartete Richtung emporheben oder für sich selbst schon ein Statement setzen. Für „Jewellery & Garment“ präsentieren die Kuratorinnen Svenja John und Petra Zimmermann das Zusammenspiel zwischen Schmuck und Kleidung und dokumentieren die Vielseitigkeit der Accessoires, die auch politische Aussagen ausdrücken können.

Jewellery & Garment
Bis 15.01.2023
Im Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, 14059, Berlin-Charlottenburg
S Westend
Website des Bröhan-Museum
Website der Ausstellung Jewellery & Garments

Wie die wirtschaftlichen und kulturellen Facetten Berlins zusammenhängen, beleuchtet die Veranstaltungsreihe "X Properties" in der "Neuen Gesellschaft für bildende Kunst".

X Properties

Ein interaktives Erlebnis bietet die Veranstaltungsreihe „X Properties“ von der „Neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK)“. Deren These: Die Stadt Berlin verliert zunehmend den Reiz für diejenigen, die einst von der Großstadt angezogen wurden: Künstler*innen, Expats, Studierende. Doch warum ist das so? Ein Grund: Der bezahlbare Wohnraum verschwindet. „X Properties“ bietet Vorlesungen, Workshops, Spaziergänge und mehr, um gemeinsam zu erörtern, wie man die Stadt Berlin wieder für alle zugänglich machen kann. Das genaue Programm findest du auf der Ausstellungsseite.

X Properties – Zur De-/Finanzierung der Stadt
Bis 15.12.2022
Durch die nGbK – Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin-Kreuzberg
U Kottbusser Tor
Website der nGbK – Neue Gesellschaft für bildende Kunst
Website der Veranstaltungsreihe X Properties – Zur De-/Finanzierung der Stadt

Weitere Informationen

Und so kommst du hin: Mit dem Queer City Pass erhältst du einen Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel – und obendrauf noch Rabatt bei vielen Partnerunternehmen!

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Interessante queere Locations überall in Berlin zeigt dir der Place2be.Berlin-Stadtplan.

Eine komplette Übersicht über alle Veranstaltungen für jeden einzelnen Tag findest du auf den Terminseiten der SIEGESSÄULE, Berlins großem queeren Stadtmagazin.

Text: Julian Beyer

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